Markiert 2008 die Rückkehr der Synthie-Disko in die Plattenregale? Hercules And Love Affair lieferten dieses Frühjahr einen respektablen Start. The Presets erhalten Platin in Australien für ihre Gruftie-Diskopop. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Denn da gibt es das Londoner Duo Heartbreak, dass gerade seine furiosen Debut-Platte “Lies” veröffentlicht hat. Hier geht’s weniger dezent als bei Hercules zur Sache. Der Synthie wabert fies wie anno 1984 aus den Boxen und der Keyboard-Freak Ali Renault entlockt seinem Gerät naive Melodien, die manchmal bis zur Schmerzgrenze süßlich-klischeehaft in die Ohren reinbohren. So klingt das wohl wenn Depeche Mode mit Giorgio Moroder verheiratet werden. Darüber zieht der gebürtigen Argentinier Sebastian Muravchix als Sänger alle Register: mit Hilfe technischer Filter gibt er im Falsett mal die Königin der Nacht, mal den Bee Gee, mal den Robot-Dancer mit dadaistischen Nonsens-Texten, ein anderes Mal den schmierigen Dandy. Konsequent und abwechslungsreich spielen die zehn Tracks Italo-Disco nach: die damals unfreiwillig komisch-dramatischen, schwulen Posen sind hier freilich beabsichtigt, ebenso die schlichten, englischen Gaga-Texte und die billigen Casio-Melodien. Die hübschen, wenn auch wenig dezenten Keyboard-Arpeggios verzaubern dennoch und erzeugen gerade das herzergreifende, mitreissende Pathos, das leuchtend aus dem düsteren, kalt klingenden Disko-Pop hervorscheint. Vielleicht muss elektronische Musik so übertrieben schlagerhaft und grell daherkommen, so ein bisschen nach Flohmarkt Vintage klingen, um aus den Borderlinern der Metropolen wieder Romantiker zu machen. (Lex Records)
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Leserbriefe
Kein Leserbrief for “Heartbreak - Lies”
Leserbrief verfassen